Osswald am Herd ist eine Katastrophe. Ein Single-Topf-Koch. Eigentlich Pfanne, mehr geht nicht zur gleichen Zeit. Eine Pfanne. Er kommt damit zurecht, manchmal schmeckt es sogar, zumindest ihm; doch es gibt ihm das Gefühl einer gewissen Unterlegenheit. Weil die anderen am Herd mit zehn Töpfen zur gleichen Zeit zaubern. Das kann er nicht. Und das mag er nicht. Schon gar nicht, wenn ihn seine Gattin als Koch-Legastheniker hinstellt. Was sie nicht davon abhält, ihn zum Kochen zu verdonnern. Den Kochversager. Schließlich hat sie ein freies Wochenende nach dem ganzen Kochstress während der Woche – und Osswald lungert sowieso nur im Büro und am Wochenende zu Hause herum. Wird Zeit, dass er mal was Vernünftiges macht, und nicht nur Artikel oder komische Geschichten schreibt.
Frau Osswald sollte mal auf ihre Kinder hören. Sobald die mitbekommen, dass der Papa kocht, heißt es lautstark: „Bäh, igitt, muss das sein!?!“. Mittlerweile reißen sie Osswald meist den Kochlöffel aus der Hand und übernehmen das Kommando am Herd. Sie kochen begeistert und keilen sich am Herd vor lauter Eifer, wer was machen darf. Bloß nicht Osswald!
Mir wird schlecht
Es schmeckt dann allemal besser als beim Vater – so weit hat es Frau Osswald mit ihrer Erziehung immerhin gebracht. Osswalds Söhne können sich ernähren. Osswald nicht. Dessen Gattin ist halt aus einem anderen Holz geschnitzt als Osswalds Mutter, die ihrem Söhnchen alle Steine aus dem Weg rollte. Nein, ein anständiger Mann muss kochen können, findet Frau Osswald. Und weil es ihr nicht gelang, einen zu heiraten, der das vermag – müssen ihre Söhne seine Scharte auswetzen. Wenn Osswald doch mal alleine kocht, ist das Ergebnis verheerend. Nicht, dass es ihm nicht schmecken würde. Ihm schmeckt alles. Aber seine Familie protestiert: „Igitt, ist das widerlich. Eklig! Mir wird schlecht!“
„Das machst du absichtlich!“, protestiert seine Gattin.
„Was?“ will Osswald mit vollem Mund wissen.
„Das mit dem Kochen!“
„Natürlich. Ganz bewusst. Ich stehe am Herd und koche ganz bewusst. Und du wolltest es so.“
Mir schmeckt es doch
„Ich wollte aber nicht, dass es wieder so widerlich schmeckt! Und wer so kocht, der ist eher bewusstlos als bewusst!“
„Stimmt doch gar nicht. Mir schmeckt es nicht widerlich. Ich finde es gut.“
„Ja du. Du bist der einzige, dem das schmeckt. Du hast ja auch ein Geschmacksinn wie ein Lurch. Man muss sich ja fast schämen, wenn du das Essen lobst, das man gekocht hat!“
„Wieso, mir schmeckt es doch.“
Atlas (13) mischt sich ein: „Dem Papa schmeckt es immer.“
Frau Osswald: „Ja eben!“
„Seit wann ist es verboten, dass es einem schmeckt?“, will Osswald wissen.
„Da ist es nicht. Aber so zu kochen wie du, das sollte verboten sein!“, kontert seine bessere Hälfte.
„Wieso darf man nicht so kochen, dass es einem schmeckt?“
„Wenn man so wenig Geschmack hat wie du, dann ist auch das verboten! Du bist wirklich zu nichts zu gebrauchen!“
Osswald ist beleidigt
„Pah!“, mault Osswald.
„Jetzt ist der Papa wieder beleidigt“, stichelt Atlas.
„Bin ich nicht“, mault Osswald beleidigt.
So zerschlägt sich im Laufe der 15 Ehejahre mit Osswald ihr ehrgeiziges Projekt immer mehr: Sonntags kocht der Mann.
Schnapp den Mops!Das Projekt droht nicht an Osswalds Widerstand zu scheitern (das würde er sich nie erlauben), es scheitert an der Rebellion seiner Familie; einschließlich deren Projektmanagerin. Sie will einfach nicht die Früchte von Osswalds Kochkunst genießen. Aber es gibt Lichtblicke. Manchmal gelingt ihm auch eine Mahlzeit. Vor allem dann, wenn er auf frühere Rezepte zurückgreift. Reispfanne ist so eines. Damit beglückte er nach ausgiebigen Kneipentouren das zusammengekratzte Häuflein Trunkenbolde des letzten Tisches. Um 3 Uhr nachts – natürlich als Junggeselle. Knüpft Osswald an die gloriosen Zeiten an, dann stellt Atlas erstaunt fest: „Papa, du kannst ja doch kochen. Wenn du willst.“
„Sag ich doch!“, kommt es aus seinem und seiner Gattin Mund zu gleichen Zeit.
„Am besten koche ich nach 13 Weißbier“, grinst Osswald.
„Untersteh dich!“, droht seine Gattin.











